Effiziente chemische Wasseraufbereitung
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Frank Kuntze
Vertriebsleiter Wasser- und Prozessadditive
Ziele der chemischen Abwasserbehandlung
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Wie funktionieren Fällmittel, Neutralisationsmittel und Flockungshilfsmittel in der chemischen Abwasserbehandlung?
Die chemische Abwasserbehandlung nutzt eine Abfolge gezielter Reaktionen, um gelöste und kolloidale Stoffe in eine abtrennbare Feststoffphase zu überführen. Dabei bilden Fällmittel, Neutralisationsmittel und Flockungshilfsmittel das zentrale Wirkstoffsystem, das durch seine Abstimmung über die gesamte Prozesskette entscheidet, wie stabil und effizient eine Abwasserreinigung verläuft.
Fällmittel dienen der Umwandlung gelöster Inhaltsstoffe – etwa Schwermetalle, Phosphate oder Carbonate – in schwerlösliche Verbindungen.
Beim Kontakt mit Wasser dissoziieren sie zu Metallionen, die mit den vorhandenen Anionen chemisch reagieren und unlösliche Partikel bilden. Diese Partikel sind in der Regel sehr fein und zunächst kolloidal, das heißt, sie verbleiben ohne weitere Behandlung lange in Schwebe.
Eisen- und Aluminiumsalze werden am häufigsten eingesetzt, weil sie ein breites Wirkungsspektrum abdecken, gut steuerbar sind und zugleich eine adsorptive Wirkung auf Begleitstoffe zeigen.
Während Eisenverbindungen besonders robust gegenüber komplexbildenden Substanzen wirken und sich für stark belastete Industrieabwässer eignen, erzeugen Aluminiumsalze kompaktere Flocken mit geringerem Schlammvolumen.
Die Neutralisation spielt in dieser Reaktionskette eine übergeordnete Rolle, weil nahezu jede chemische Umwandlung im Wasser pH-abhängig ist.
Ist das Abwasser zu sauer oder zu alkalisch, bleiben viele Fällmittel in Lösung oder bilden instabile Hydroxidstrukturen, die keine tragfähigen Flocken bilden.
Deshalb wird der pH-Wert mit geeigneten Neutralisationsmitteln – wie Natronlauge, Kalkmilch, Magnesiumhydroxid oder CO₂ – in den optimalen Reaktionsbereich gebracht.
Die Neutralisation sorgt also nicht nur für Korrosionsschutz und Arbeitssicherheit, sondern vor allem für die richtige chemische Umgebung, in der die Fällmittel ihre maximale Wirksamkeit entfalten.
Im Anschluss übernimmt das Flockungshilfsmittel die Rolle des „Bindeglieds“.
Nach der Fällung liegen Millionen mikroskopisch kleiner Partikel im Wasser vor, deren elektrische Oberflächenladung eine natürliche Abstoßung bewirkt.
Flockungshilfsmittel – meist langkettige Polymere – überbrücken diese Teilchen und führen sie durch Adsorptions- und Brückenmechanismen zu makroskopischen Flocken zusammen.
Diese Flocken sind stabil, schnell abscheidbar und lassen sich problemlos filtrieren, flottieren oder sedimentieren.
Je nach Ladungscharakter des Abwassers kommen anionische, kationische oder nichtionische Polymertypen zum Einsatz, deren Molekulargewicht und Struktur gezielt auf die vorangegangene Fällchemie abgestimmt werden.
Das Zusammenspiel der drei Additivgruppen ist dabei hochsensibel:
Die Fällmittel bestimmen die chemische Reaktion und Stoffbindung, die Neutralisation legt die Reaktionsbedingungen fest, und die Flockungshilfsmittel formen die resultierenden Partikel zu einer stabilen, abtrennbaren Feststoffphase.
Nur wenn Konzentration, Reihenfolge und Dosierpunkte präzise abgestimmt sind, entsteht ein reproduzierbarer Prozess mit klarer Ablaufqualität, geringem Chemikalienverbrauch und gut entwässerbarem Schlamm.
In industriellen Anwendungen ist dieses fein abgestimmte Zusammenspiel entscheidend, um auch bei schwankenden Abwasserbelastungen konstante Ablaufwerte und hohe Betriebssicherheit zu gewährleisten.
Hier entscheidet nicht die Menge der Chemikalien, sondern die Qualität und Abstimmung der Additive über den Erfolg des Prozesses.
Welche Fäll- und Flockungsmittel sind für industrielle Abwässer technisch am geeignetsten?
Die Auswahl des richtigen Fällmittels basiert auf der Ionenmatrix, dem Zielparameter und der gewünschten Schlammqualität.
Eisen(III)-basierte Fällmittel (FeCl₃, Fe₂(SO₄)₃):
besonders wirksam bei Phosphat- und Schwermetallfällung (z. B. Pb, Cu, Ni, Zn)
breiter pH-Einsatzbereich (6–9)
fördern zusätzlich Oxidationsreaktionen (z. B. mit H₂O₂ in Fenton-Systemen)
Aluminium-basierte Fällmittel (Al₂(SO₄)₃, NaAlO₂):
erzeugen kompakte Flocken mit niedriger Resttrübung
ideal für Filtrations- oder DAF-Systeme, wo Schlammvolumen und Klarwasserqualität entscheidend sind
Mischfällmittel (Fe/Al-Kombinationen):
kombinieren Reaktionsgeschwindigkeit (Fe) und Kompaktbildung (Al)
stabilisieren den Prozess bei Lastspitzen oder schwankendem pH
Sulfidische Fällmittel (Na₂S, NaHS, Thioacetamid):
selektive Fällung von Edel- und Schwermetallen in komplexer Matrix
Bilden schwerlösliche Sulfide (z. B. CuS, PbS) mit extrem niedrigen Löslichkeiten (<10⁻²⁰ mol²/l²)
ALMA AQUA bietet hierfür organisch stabilisierte Sulfidspender, die eine kontrollierte Freisetzung ohne H₂S-Gefahr ermöglichen
Flockungshilfsmittel (Polymere):
Auswahl nach Ladungstyp, Molekulargewicht und Kettenstruktur
anionische Typen für Metallhydroxide, kationische für organische Schlämme
Dosierung typischerweise 0,1–3 g/m³, abhängig von Flockendichte und Reaktorhydraulik
In der Praxis werden Fällung und Flockung in mehrstufigen Reaktoren oder LAPS-Systemen kombiniert, um die Reaktionskinetik zu optimieren und die Schlammstruktur zu stabilisieren.
Das Ergebnis: niedrige Restmetallwerte (< 50 µg/l), gut entwässerbarer Schlamm und eine hohe Prozessrobustheit gegenüber Belastungsschwankungen.
Wann und wie werden Oxidationsmittel und Fenton-Systeme in der chemischen Abwasserbehandlung eingesetzt?
Oxidationsverfahren sind ein zentraler Bestandteil der chemischen Abwasserbehandlung, insbesondere bei Abwässern mit hoher organischer Belastung, schwer abbaubaren Substanzen oder komplexbildnerhaltigen Inhaltsstoffen.
Während Fällung und Flockung auf der Bildung schwerlöslicher Feststoffe beruhen, zielen Oxidationsverfahren auf die chemische Umwandlung oder Zerstörung gelöster organischer Moleküle ab.
Dabei wird die Oxidationskraft gezielt genutzt, um Stoffe zu mineralisieren, zu entgiften oder so zu verändern, dass sie in nachfolgenden Behandlungsstufen leichter entfernt werden können.
Oxidationsmittel wie Wasserstoffperoxid, Natriumhypochlorit oder Persulfate werden häufig in vorgelagerten Prozessstufen eingesetzt, um organische Reststoffe, Farbstoffe, Tenside oder störende Komplexe aufzubrechen.
Diese Additive wirken über Elektronenübertragungsprozesse, bei denen die Oxidationsmittel selbst reduziert werden, während die Zielstoffe oxidiert und damit in ihrer Molekülstruktur zerstört oder verändert werden.
In industriellen Abwässern wird diese Reaktion oft genutzt, um Komplexbildner wie EDTA oder Citrate zu spalten, da sie Metalle stark in Lösung halten und die Fällung verhindern.
Erst nach der Oxidation sind diese Metalle wieder chemisch verfügbar und können anschließend mit klassischen Fällmitteln sicher ausgefällt werden.
Das Fenton-Verfahren stellt eine erweiterte Form dieser Oxidationsreaktionen dar.
Es kombiniert eine Eisenquelle (meist Eisen(II)-Ionen) mit Wasserstoffperoxid, um reaktive Sauerstoffspezies zu erzeugen.
Diese kurzlebigen Radikale sind extrem oxidationsstark und greifen selbst stabile organische Bindungen an – etwa aromatische Ringe, Chlorverbindungen oder Polyethylenoxidstrukturen.
Dadurch lassen sich auch solche Stoffe abbauen, die weder biologisch noch durch einfache chemische Oxidation ausreichend entfernt werden können.
In industriellen Anwendungen, etwa in der Chemie-, Pharma-, Textil- oder Lackindustrie, dient das Fenton-Verfahren dazu, toxische, farbige oder CSB-intensive Verbindungen in unbedenklichere Zwischenprodukte zu überführen.
Für den praktischen Betrieb ist die Reaktionsführung entscheidend.
Die Oxidationsmittel müssen so dosiert werden, dass sie ausreichend Reaktionspartner vorfinden, ohne in Nebenreaktionen zu zerfallen.
Eine zu hohe Konzentration kann beispielsweise dazu führen, dass Wasserstoffperoxid selbst zu Sauerstoff und Wasser zerfällt, ohne organische Stoffe zu oxidieren.
Auch der pH-Wert spielt eine zentrale Rolle: Im sauren Bereich verlaufen Fenton-Reaktionen besonders effizient, während viele andere Oxidationssysteme – wie Hypochlorit oder Persulfate – auch bei neutralem oder leicht alkalischem Milieu gut arbeiten.
In der Prozesspraxis werden Oxidationsmittel und Fenton-Systeme häufig vor einer Fäll- oder Flockungsstufe eingesetzt.
So werden zuvor stabil gebundene Metalle freigesetzt, komplexierte organische Stoffe zerstört und CSB-Werte bereits signifikant reduziert.
Das führt zu einer höheren Prozessstabilität in den nachfolgenden chemischen und biologischen Stufen und verringert gleichzeitig den Gesamtverbrauch an Fällmitteln.
Durch die Kombination gezielter Oxidationschemie mit klassischen Additiven entsteht ein mehrstufiges, reaktionsoptimiertes System, das nicht nur eine sichere Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte ermöglicht, sondern auch die Langzeitstabilität des gesamten Abwasserprozesses verbessert.
Richtig ausgelegt, können diese Verfahren eine deutliche Steigerung der Ablaufqualität und Reduzierung des Chemikalienbedarfs bewirken – besonders in komplexen industriellen Anwendungen mit schwankenden Stoffströmen.
Wann ist der Einsatz sulfidischer Fällmittel sinnvoll und worin liegen ihre besonderen Vorteile gegenüber Hydroxidfällmitteln?
Sulfidische Fällmittel werden eingesetzt, wenn klassische Hydroxid- oder Carbonatfällungen an ihre Grenzen stoßen – etwa bei sehr niedrigen Restmetallanforderungen oder in stark komplexbildnerhaltigen Abwässern.
Ihr Wirkprinzip beruht auf der hohen chemischen Affinität vieler Schwermetalle zu Schwefel, wodurch extrem schwerlösliche Metallsulfide entstehen. Diese Verbindungen haben eine deutlich geringere Löslichkeit als entsprechende Metallhydroxide und ermöglichen so Restkonzentrationen im unteren µg/l-Bereich.
In der Praxis werden meist Natriumsulfid (Na₂S), Natriumhydrogensulfid (NaHS) oder organisch stabilisierte Sulfidspender eingesetzt, die Schwefel kontrolliert und gleichmäßig freisetzen.
Diese Stabilisierung ist entscheidend, da reine Sulfide bei unsachgemäßer Dosierung zur Bildung von Schwefelwasserstoff (H₂S) führen können – einem giftigen und geruchsintensiven Gas.
Stabilisierte Produkte wirken dagegen langsam, gleichmäßig und ohne signifikante Gasentwicklung, was den Prozess sicher und kontrollierbar macht.
Sulfidische Fällung wird bevorzugt bei Abwässern mit Edelmetallen, Blei, Kupfer, Cadmium oder Quecksilber angewandt. Auch in galvanischen Prozessen oder bei Elektronikschrottaufbereitung ist sie häufig Teil des Verfahrens.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Selektivität: Da Sulfid stärker mit weichen Metallionen (nach der HSAB-Theorie) reagiert, lassen sich bestimmte Metalle gezielt aus komplexen Mischungen entfernen, während andere in Lösung verbleiben.
Die Prozessführung erfolgt meist nach einer vorgelagerten Neutralisation, oft bei leicht alkalischem Milieu. Eine stabile Dosierung, intensive Durchmischung und eine anschließende Flockungsstufe sind entscheidend, um feindisperse Metallsulfide sicher abzuscheiden und filtrierbar zu machen.
Durch die Kombination mit anionischen Polymeren oder Eisenfällmitteln kann die Schlammstruktur zusätzlich verbessert werden.
Sulfidische Systeme sind somit ein präzises Werkzeug für die Feinreinigung metallhaltiger Abwässer und eine ideale Ergänzung zu klassischen Fällverfahren – insbesondere dann, wenn Grenzwerte unter 0,1 mg/l gefordert sind oder Komplexbildner eine konventionelle Fällung verhindern.
Wie beeinflussen komplexbildnerhaltige Abwässer die chemische Behandlung und wie kann man diese Störstoffe effektiv aufbrechen?
Komplexbildner wie EDTA, NTA, Citrate, Tartrate oder Amine stellen eine der größten Herausforderungen in der industriellen Abwasserbehandlung dar.
Sie binden Metallionen in stabile Chelatkomplexe und verhindern, dass diese durch herkömmliche Fällmittel als Hydroxide oder Phosphate ausfallen.
Selbst hohe Fällmittelkonzentrationen führen dann nur zu unvollständiger Reaktion oder Restwerten deutlich über den Grenzwerten.
Zur Behandlung komplexbildnerhaltiger Abwässer werden oxidative Vorstufen eingesetzt.
Durch die Oxidation werden die organischen Liganden an ihren funktionellen Gruppen angegriffen und gespalten, sodass die gebundenen Metalle wieder als freie Ionen vorliegen.
Je nach Matrix werden dafür Wasserstoffperoxid, Hypochlorit, Ozon oder Persulfate verwendet.
In schwierigeren Fällen kommen Fenton-Reaktionen oder kombinierte Oxidations-/Fällsysteme zum Einsatz, bei denen die Metallfreisetzung und -bindung in einem Schritt ablaufen.
Alternativ kann auch eine pH-Strategie genutzt werden:
Bei stufenweiser pH-Erhöhung verändern sich die Komplexgleichgewichte, wodurch zunächst schwächer gebundene Metalle freigesetzt werden.
Dies erlaubt eine stufenweise Fällung, etwa zuerst für Kupfer, dann für Zink oder Nickel.
Ein weiterer Schlüssel liegt in der Hydraulik und Kontaktzeit.
Komplexspaltung ist kinetisch langsamer als einfache Fällreaktion – eine ausreichende Reaktionszeit, intensive Durchmischung und Temperaturkontrolle sind daher notwendig, um eine vollständige Umsetzung zu erreichen.
Durch eine Kombination aus oxidativer Aufschließung, abgestufter Fällung und präziser pH-Führung lassen sich auch stark komplexierte Industrieabwässer sicher behandeln.
ALMA AQUA Prozessadditive ermöglichen hier eine gezielte Anpassung der Reagenzienzusammensetzung, um die Effizienz der Komplexzerstörung und Fällausbeute zu maximieren.
Welche Faktoren bestimmen die Qualität und Entwässerbarkeit des Schlamms aus der chemischen Abwasserbehandlung?
Die Qualität des anfallenden Schlamms ist ein entscheidendes Kriterium für die Betriebssicherheit und Wirtschaftlichkeit einer chemischen Abwasseranlage.
Sie beeinflusst nicht nur die Entsorgungskosten, sondern auch die Prozessstabilität, die Klarwasserqualität und den Energiebedarf der nachfolgenden Entwässerung.
Ein guter chemischer Schlamm zeichnet sich durch kompakte, dichte Flocken mit homogener Struktur, geringer Wasserbindung und klarer Phasentrennung aus.
Diese Eigenschaften entstehen nur, wenn die chemischen Reaktionsbedingungen optimal abgestimmt sind – insbesondere pH-Wert, Dosierpunkte, Additivmengen und Rührintensität.
Wird der pH-Wert zu stark variiert, bilden sich amorphe, gelatinöse Hydroxide, die viel Wasser einschließen und schwer entwässerbar sind.
Eine zu schnelle oder ungleichmäßige Fällmittelzugabe führt zu lokal übersättigten Bereichen, in denen Mikroflocken entstehen, die sich weder gut absetzen noch durch Flockungshilfsmittel vergrößern lassen.
Auch das Timing der Polymerdosierung spielt eine wesentliche Rolle:
Erfolgt sie zu früh, bevor die Hydroxidbildung abgeschlossen ist, adsorbiert das Polymer auf instabilen Primärpartikeln und verliert seine Wirkung; erfolgt sie zu spät, sind die Flocken bereits so dicht, dass keine Brückenbildung mehr stattfinden kann.
Neben der Chemie beeinflussen auch Ionenstärke, Temperatur und Füllstoffgehalt die Schlammstruktur.
Hohe Salzgehalte können Polymere in ihrer Wirksamkeit einschränken, während niedrige Temperaturen die Reaktionskinetik und Entwässerungsgeschwindigkeit reduzieren.
Daher wird die Auswahl der Prozessadditive – insbesondere der Polymertypen – exakt auf die Betriebsbedingungen abgestimmt.
Ziel ist ein mechanisch stabiler, gut entwässerbarer Schlamm mit minimalem Volumen und möglichst geringem Restwassergehalt.
Ein solcher Schlamm verringert die Entsorgungskosten signifikant und verbessert die Gesamtbilanz der Anlage.
Gut abgestimmte Fäll- und Flockungssysteme, wie sie ALMA AQUA anbietet, tragen entscheidend dazu bei, diese Qualität dauerhaft sicherzustellen.
Wie wählt man das richtige Flockungshilfsmittel aus und welche Einflussfaktoren bestimmen seine Wirksamkeit in der chemischen Abwasserbehandlung?
Die Auswahl und Dosierung des passenden Flockungshilfsmittels ist einer der entscheidenden Schritte für die Leistungsfähigkeit und Stabilität einer chemischen Abwasserbehandlungsanlage.
Flockungshilfsmittel übernehmen die Aufgabe, aus feinen, meist kolloidalen Partikeln großvolumige, schnell abscheidbare Aggregate zu bilden.
Dabei wirken sie nicht rein physikalisch, sondern über gezielte elektrostatische und chemische Wechselwirkungen, die stark von der Zusammensetzung des Abwassers abhängen.
Grundsätzlich unterscheidet man kationische, anionische und nichtionische Polymere.
Die Wirksamkeit beruht auf zwei Hauptmechanismen: Ladungsneutralisation und Brückenbildung.
Bei der Ladungsneutralisation werden negativ oder positiv geladene Partikel durch entgegengesetzt geladene Polymergruppen stabilisiert, wodurch die elektrostatische Abstoßung verschwindet.
Die Brückenbildung hingegen entsteht, wenn lange Polymerketten gleichzeitig an mehrere Partikel adsorbieren und diese physikalisch verbinden.
Das Ergebnis sind stabile Flocken mit deutlich größerem Durchmesser und höherer Dichte, die sich wesentlich leichter sedimentieren, filtrieren oder flottieren lassen.
Die Auswahl des geeigneten Polymertyps hängt von mehreren Faktoren ab:
Art der Fällmittel und pH-Wert: Eisen- oder Aluminiumsalze erzeugen unterschiedlich geladene Hydroxidflocken. Bei Eisenüberdosierung liegt häufig eine positive Oberflächenladung vor, was den Einsatz anionischer Polymere begünstigt. Bei Aluminiumdominanz oder organischer Belastung können kationische Typen vorteilhaft sein.
Ionenstärke und Leitfähigkeit: Eine hohe Salzkonzentration im Abwasser kann die Effektivität geladener Polymere reduzieren, da die elektrostatische Anziehung durch die Ionenumgebung abgeschwächt wird. Hier sind nichtionische oder schwach geladene Polymere stabiler.
Temperatur und Scherbeanspruchung: Niedrige Temperaturen verringern die Reaktionsgeschwindigkeit und Flexibilität der Polymerketten, während hohe Scherkräfte (z. B. in Rührwerken oder Pumpen) Flocken wieder aufbrechen können. Deshalb ist eine abgestimmte Hydraulik ebenso wichtig wie die Chemie selbst.
Zeitpunkt und Ort der Dosierung: Das Polymer muss genau dann eingetragen werden, wenn die Primärflocken bereits gebildet, aber noch nicht sedimentiert sind. Zu frühe Dosierung führt zu instabilen Mikroflocken, zu späte zu unvollständiger Brückenbildung.
Auch die Konzentration des Polymers in der Dosierlösung spielt eine Rolle:
Zu stark verdünnte Lösungen führen zu ungleichmäßiger Verteilung und unvollständiger Adsorption, zu konzentrierte zu lokaler Überdosierung und Inhomogenitäten.
Im industriellen Maßstab haben sich Konzentrationen von 0,05 – 0,2 % in Verbindung mit einer intensiven, aber kurzzeitigen Mischphase bewährt.
Ein gut abgestimmtes Flockungssystem zeigt sich in der Praxis durch klare Phasentrennung, niedrige Resttrübungen und einen kompakt entwässerbaren Schlamm.
Feinabstimmung und Typauswahl erfolgen meist auf Basis von Laborversuchen (z. B. Jar-Tests) und anschließender Prozessoptimierung unter Realbedingungen.
Die Erfahrung zeigt, dass ein optimal gewähltes Polymer nicht nur die Abscheideleistung steigert, sondern auch den Fällmittelbedarf reduziert, den Schlammvolumenindex verbessert und die Betriebskosten der Gesamtanlage spürbar senkt.
Darum ist die Wahl des passenden Flockungshilfsmittels immer ein chemisch wie verfahrenstechnisch abgestimmter Prozess, bei dem Produkt, Dosierstrategie und Anlagenhydraulik exakt ineinandergreifen müssen.
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